„Kommunikation“? - Beherrschen Männer die Spielregeln der Kommunikation am Weg nach oben besser als Frauen?

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Als John Gray sein Buch „Männer sind anders, Frauen auch“ veröffentlichte, begann erstmals in breiterer Öffentlichkeit eine Diskussion über die Verschiedenheit der Wortwahl, Ausdrucksweise, Länge der Redezeit und Wahrnehmung der Kommunikation zwischen den Geschlechtern.

Seither wurden unzählige Studien publiziert und Artikel veröffentlicht. Aber die meisten beschäftigen sich eher mit der Kommunikation von Paaren im privaten Bereich, weniger mit den unterschiedlichen  Sprachstilen von Männern und Frauen am Arbeitsplatz.

Erst allmählich setzt sich die Erkenntnis durch, dass diese Unterschiede eine große Bedeutung im Arbeitsverhalten und im Karriereverlauf haben. Und zwar egal, auf welcher Hierarchieebene und in welcher Art von Unternehmen Frauen und Männer zusammen arbeiten.

Die unterschiedlichen Kommunikationsstile von Männern und Frauen sind nicht selten Karriere entscheidend.

Männer legen bis heute die Spielregeln fest. Frauen müssen lernen, ihre Art der Kommunikation zu optimieren. Nicht ihren Stil grundsätzlich ändern- aber den Gegebenheiten anpassen.

Männer sagen meistens geradeheraus und ohne Umschweife, was sie wollen und Anordnungen werden oft als Befehle formuliert. Das ist für sie nicht negativ, sondern Fakten bezogen gemeint. Frauen missverstehen leicht diesen Sprachstil und fühlen sich verunsichert oder bevormundet. In der gleichen Situation formulieren Frauen meist im Konjunktiv, und Anordnungen werden mit Umschreibungen und Erklärungen verbrämt. Was Männer wiederum ungeduldig macht. Sie nehmen weder den „Konjunktiv- Befehl“ noch die Anordnung wirklich ernst.

Mann: „Das wird jetzt so gemacht und bis morgen liegt das Ergebnis auf meinem Tisch!“

Frau: „Ich möchte, dass das so und so gemacht wird und ist es möglich, dass ich das Ergebnis eventuell schon morgen auf meinem Schreibtisch habe?“

Beide wollen das Gleiche, aber wer hört was?

Männer hören bei der Aussage des Mannes, dass die Entscheidung gefallen ist und der Termin einzuhalten ist. Frauen fühlen sich unter Druck gesetzt und werden im Ernstfall ängstlich versuchen, allen Anforderungen – wie Entscheidungen zu akzeptieren und Termin einzuhalten – gerecht zu werden.

Männer hören bei der Aussage der Frau, dass das Ganze wohl nicht so wichtig ist und man sicher noch über Details diskutieren kann. Und ob man den Termin einhalten müsse, ist sehr fraglich.

 

Der Mann stellt sich gerne in den Vordergrund.

Er bezieht Erfolge gerne auf sich und hat keine Scheu, dies auch auszusprechen. Frauen stellen sich seltener in den Vordergrund. Sie erwähnen eher die gemeinsame Arbeit des Teams, ohne die der Erfolg nicht möglich gewesen wäre. Und wenn sie wirklich ganz alleine für die gute Leistung verantwortlich waren, spielen sie das Lob herunter.

Mann: „Es ist mir gelungen, das Projekt erfolgreich und im Zeit- und Kostenrahmen effektiv durchzuziehen.“

Frau: „Das Projekt ist zusammen mit dem Team erfolgreich fertig gestellt worden. Der Dank gebührt allen, die daran beteiligt waren.“

Politiker sind gut geschult und haben gelernt, sich z.B. bei Interviews nicht zu sehr in den Vordergrund zu stellen. Aber hören Sie einmal genau hin, wenn Politiker und Politikerinnen über Erfolge sprechen:

Die Männer verschlucken sich fast bei der Formulierung, die allen gerecht werden soll. Den Frauen geht das leichter von den Lippen.

 

Der Frau fällt es schwerer, sich in den Vordergrund zu stellen.

Sie stellt ihr (Arbeits-) Licht oft unter den Scheffel, so dass bei der Vergabe von Führungsaufgaben eher die Männer an die Reihe kommen, die mit gesundem Selbstbewusstsein auf sich aufmerksam machen.

Frauen sind auch harmoniebedürftiger und scheuen eher den offenen Konflikt als Männer. Sie sind auch eher bereit, um des lieben Friedens Willen zusätzliche Aufgaben zu übernehmen als schlicht „Nein“ zu sagen. Ein fataler Fehler des Selbstmanagements!

Aber dieser unterschiedliche Kommunikationsstil ist ein enormes Hindernis für Frauen, die in einer von Männern dominierten Welt Karriere machen wollen!

In der Ausbildung lernt man vieles über seinen zukünftigen Beruf. Im Beruf selbst lernt man die Arbeit und die Firmenphilosophie seines Unternehmens kennen. Nur sagt einem niemand, dass gute und effektive Kommunikation gerade für Frauen Karriere entscheidend ist. Wie oft passiert es, dass die, die am lautesten trommeln, schnell in der Hierarchie aufsteigen und die Zurückhaltenden auf der Stelle treten? Und nicht immer sind die Trommler die Besten!

Frauen haben hier einen großen Aufholbedarf! Egal, auf welcher Hierarchiestufe.

Chefinnen, die der „knappe“ Ton ihrer männlichen Mitarbeiter nervt (der hört nie richtig zu!) und die das Gefühl haben, Anordnungen x-mal wiederholen zu müssen, bis sie erledigt werden, sollten ihre eigene Kommunikation auf den Prüfstand stellen: Vielleicht sind etwas zuviel Konjunktive und Umschreibungen das Thema.

Chefs, die das „Angerührtsein“ ihrer weiblichen Mitarbeiterinnen nervt, sollten nachdenken, ob sie vielleicht unbewußt in ihrer Ausdrucksweise barscher sind, als sie eigentlich meinen.

 

Fazit:

Ob männlicher oder weiblicher Kommunikationsstil: keiner ist vollkommen. Aber Männer beherrschen die Spielregeln auf dem Weg nach oben immer noch besser als Frauen. Dafür gibt es viele Gründe, einer ist sicher der unterschiedliche kommunikative Zugang zu arbeitsrelevanten Themen. Hier können Frauen sich durchaus etwas von den Männern abschauen, ohne dass sie dabei ihre positiven weiblichen Kommunikationsfähigkeiten außer Acht lassen!

Kleines Quiz zum Schluss: Lesen Sie in der Juni Ausgabe einer österreichischen Wirtschaftszeitung den Artikel über High Potentials. Schauen Sie sich die Aussage des jungen männlichen HP an und die des weiblichen. Noch Fragen?

 

Richtig zu kommunizieren gehört zu einer guten weiblichen wie männlichen Führungskraft.

Und gutes Führen kann man lernen.

 

Dr. Christiane Bernhard

Kommunikationstrainerin und Coach

erschienen auf "www.unternehmerweb.at", Juni 2011