Unsere Mitarbeiter sind ein Team (1)

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Sehen Sie sich die Stellenangebote in den Zeitungen an: kein Unternehmen, das nicht eine teamfähige Mitarbeiterin oder einen teamfähigen Mitarbeiter sucht. Dieses Attribut muss für die Unternehmen so wichtig sein, dass sie es oft an allererster Stelle setzen, wenn es um die Aufzählung der gewünschten Fähigkeiten geht. Meist kommt dann noch der Hinweis, dass das Unternehmen selbst über ein junges dynamisches Team verfügt, das sich über einen passenden Neuzugang freut. Und wenn das Team nicht mehr ganz so jung ist, ist es jedenfalls engagiert! Und benötigt dringend noch einen weiteren Teamplayer.

 

Wenn so viele teamfähige MitarbeiterInnen gesucht werden, muss es ja auf der anderen Seite auch diejenigen geben, die nicht teamfähig sind und daher nicht weiter im Team arbeiten können.

Aber was muss man können und welche Fähigkeiten muss man haben, um in einem Team mitarbeiten zu können? Diese Frage kann man wissenschaftlich nicht beantworten, denn es gibt keine differenzierte und praktikable Definition zum Begriff Teamfähigkeit.  Einfach ausgedrückt: Teamfähigkeit setzt sich aus einem schwer überschaubaren Zusammenspiel  sehr komplexer menschlicher Fähigkeiten und Fertigkeiten zusammen. Diese kann man zwar analysieren, aber schwer messen.

Vereinfacht kann man sagen, dass Teamfähigkeit als ein Gemisch aus Kommunikations-, Kooperations- und Konfliktfähigkeit gesehen werden muss, zusammen mit einer gewissen Portion an Selbstlosigkeit. Denn um in einem Team zu spielen (was man ja offensichtlich als Teamplayer im Wortsinn verstehen soll), muss man sich zurücknehmen können und die eigenen Fähigkeiten und Leistungen in den Dienst der gemeinsamen Aufgabe stellen.

Was passiert nun, wenn man eine neue Mitarbeiterin oder einen neuen Mitarbeiter einstellt?

Grundvoraussetzung ist natürlich, dass seine oder ihre Fähigkeiten und Ausbildungen den gesuchten Anforderungen entsprechen. Aber hat man damit schon ein Teammitglied gewonnen? Meist wird erwartet, dass sich die neuen MitarbeiterInnen rasch und ohne Komplikationen in das Team einfügen. Wenn das nicht so klappt, wie man es sich vorgestellt hat und erste Konflikte auftreten, herrscht oft großes Erstaunen und Ratlosigkeit. Und dann passiert etwas sehr Menschliches. Es folgen Schuldzuweisungen nach dem Motto: „Ich habe doch alles getan, um die richtigen Mitarbeiter auszusuchen. Nun sollen sie sich aber auch brav einfügen!“ „Immerhin haben wir ein tolles Arbeitsklima und wer da nicht mitarbeiten will, passt eben nicht in unser Team.“

Vergessen wird bei diesen Überlegungen, dass jede neue Mitarbeiterin und jeder neue Mitarbeiter bei der Einstellung als Individuum gesehen werden muss, welches mit einer „Team-Vorgeschichte“ antritt, die möglicherweise ganz andere Strukturen aufweist als im neuen Team gewünscht. Fordert man nun ein rasches, nahtloses Einfügen in das neue Team kann es zu zwei Phänomenen kommen: die neuen Mitarbeiter ordnen sich ohne viel Widersprüche in das Team ein und meiden jede Konfrontation aus Angst vor Konflikten oder sie versuchen, ihre Individualität und Stärke dem Team aufzudrücken. Das Erste kann zur Folge haben, dass die neuen Mitarbeiter zu Trittbrettfahrern mutieren und ihren Tag abarbeiten. Das Zweite, dass Konflikte mit dem bestehenden vorprogrammiert sind. In beiden Fällen tragen sie nicht dazu bei, dass das Team durch die neuen Mitarbeiter neue Impulse bekommt und im Ganzen erfolgreicher wird.

Apotheken sehen ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter als Teams, die zusammen an einem Strang ziehen und so die Arbeit innerhalb der Apotheke effektiver gestalten, Leerläufe vermeiden und gemeinsam am Erfolg der Apotheke arbeiten. Nach außen wird dies signalisiert, indem auf der apothekeneigenen Website „das Team“ vorgestellt wird oder in der Kundenzeitschrift „das Team“ den Kunden und Kundinnen Gesundheit und Wohlbefinden wünscht.

Aber Apotheken haben im Gegensatz zu vielen anderen Unternehmen wesentlich größere Schwierigkeiten ein effektives Team aufzubauen und kontinuierlich zu wachsenden Erfolgen zu führen. Bedingt durch die unterschiedlichen Arbeitszeiten sind selten alle Mitglieder des Teams gleichzeitig und tagtäglich mit den gleichen Problemen und Aufgabenstellungen konfrontiert. In großen Apotheken kann es vorkommen, dass manche Teammitglieder nie miteinander arbeiten. Hier ist ein hohes Maß an Kommunikationsfähigkeit innerhalb des Teams und zwischen Team und Vorgesetzten erforderlich, um Konflikte rechtzeitig zu erkennen und anzusprechen. Aber auch, um gemeinsame Ziele nicht nur zu formulieren sondern auch umzusetzen.

Wie Apotheken diese schwierige Aufgabe meistern können, soll im nächsten Artikel besprochen werden.

 

Dr. Christiane Bernhard

Kommunikationstrainerin und Coach

erschienen in "Der neue Apotheker", November 2008